Alte Dycker Dorfschule

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Chronik der Volksschule Dyck
von Herbert Deininger

 Zu Beginn seien mir zwei Vorbemerkungen gestattet: 

  1. Der vorliegende Bericht wurde in der  “guten, alten deutschen Rechtschreibung“  abgefaßt.

  2.  Der Bericht erhebt nicht den Anspruch,  vollständig und lückenlos zu sein, denn die überlieferten Informationen sind spärlich, zumal die alte Schulchronik am  Ende des Zweiten Weltkrieges infolge Besatzung durch die deutsche Wehrmacht (ab  Oktober1944) sowie durch die amerikanischen Invasionstruppen (ab März 1945) verloren gegangen ist. Eine neue Chronik wurde am 01.04.1951 von Lehrer Fritz Meisel  angelegt. Für die Abfassung meines Berichtes über die Geschichte des Schulwesens in Dyck habe ich mich daher folgender Literatur bedient:

 


 I. Heimatkunde  des Kreises Kempen
    von  Jos. Nießen, Lehrer, Küsenhof bei St. Hubert 1892.

 Dort heißt es auf Seite 96:
Dyk(!) erstreckt sich eine halbe Stunde weit in der Länge zu beiden Seiten eines kleinen Bächleins, welches am Flothend (Flußende) in die Nette fließt. Der Name Dyk ist jedenfalls von Deich abzuleiten. Die Bauernschaft Dyk hat eine einklassige Schule, welche 1790 gegründet wurde. Als Lehrer wurde in diesem Jahre Heinrich Berten angestellt. Vor der Zeit hatte in  Dyk schon eine Privatschule bestanden, die um das Jahr 1750 von einem Ackerer errichtet worden war.

 II. Geschichte der ehemaligen Herrlichkeit Lobberich
      von Johann Finken, Lehrer, Leuth 1902.

Finken schreibt hier auf Seite 58:
In der Hohnschaft errichtete im Jahr 1750 ein Ackerer, Jakob Leuwers , eine Privatschule, die über 30 Jahre fortbestand. Wie der Schultheiß von Lobberich 1780 an die Regierung berichtete, besaß derselbe wohl einige Kenntnisse im Lesen, Schreiben und in der Religion. Im Übrigen aber  “verstand er ebenso wenig als alle anderen Bauern, die nicht studiert oder keinen guten Lehrer gehabt haben “. Nach seinem Tode, 1787, beschloß die Hondschaft die Anlage einer eigenen Ortsschule, zu der die Regierung die Konzession erteilte, unter der Beschränkung , daß dieselbe nur von Kindern unter acht Jahren während des Sommers besucht werden dürfe. An derselben wurde im April  1790 Heinrich Berten als Schulmeister angestellt, nachdem er vor dem Pastor, in Gegenwart der Schöffen und Geschworenen, ein Examen in Buchstabieren, Lesen, Schreiben, Rechnen und  in der Religion abgelegt hatte. Dyck hat heute ein hübsches Schullokal und zwei Schulklassen.

III. Johannes Hessen im Spiegel des Lebens
     „Geistige Kämpfe der Zeit“
     von Prof. D. Dr. Johannes Hessen, Köln 1959

Johannes Hessen (1889 – 1971), der wohl berühmteste Dycker, Dr. der Theologie und Dr. der Philosophie, schreibt im ersten Kapitel seines o.a. Werkes: Die niederrheinische Landschaft ist vielfach durchzogen von Flüssen und Bächen. Überall da, wo Wasser ist, findet sich auch das so charakteristische Bruch. Ein solches Bruch findet sich auch in der Ortschaft, die meine Heimat ist. Ein Bächlein schlängelt sich durch sie, das in der Nähe einer Mühle mit seinem aufgestauten Wasser einen hübschen Weiher bildet. 
Im Jahre 1895 kam ich auf die zehn Minuten entfernte Volksschule Dyck, die ich sechs Jahre lang besucht habe. Danach wechselt Hessen für drei Jahre auf die Rektoratsschule Lobberich.
Er fährt fort: Jeden (!) Morgen besuchte ich die im Sommer um 7 1/4 Uhr,  im Winter um 7 3/4  Uhr beginnende Schulmesse. Da der Weg nach Lobberich 45 Minuten weit war, mußte ich im Sommer schon um 6 Uhr aufstehen, um rechtzeitig im Gottesdienst zu sein. Nach einem Jahr schenkte seine Mutter ihm ein Fahrrad. Von seinen Lehrern spricht Hessen mit Hochachtung. Leider erwähnt er nicht, ob im Jahre 1895 das neue Dycker Schulhaus bereits fertig gestellt war.
Hessen wechselte später auf das Gymnasium Gaesdonck, wo er 1910 das Abitur machte.

IV. Lobberich – Geschichte einer niederrheinischen Gemeinde
      von Peter Dohms, Kevelaer 1981

Peter Dohms schreibt in seinem Werk  auf Seite 191:
Die wichtigste Lobbericher “Neben“- oder “Privatschule“ begründete 1750 der Bauer Jakob Leuwers, der über mäßige Fähigkeiten und Kenntnisse im Lesen, Schreiben und in der Religion verfügte, in Dyck;  diese Schule dürfte nach Leuwers Tod (1787) zunächst nur noch von Kindern unter acht Jahren besucht worden sein, scheint sich jedoch später dieser Einschränkung entledigt zu haben. Sie verdankt ihre Entstehung offensichtlich Dycker Religionsinteressen, wie 1818 etwa noch daraus ersichtlich ist, daß der damals eingestellte Lehrer seinen Arbeitsvertrag ausschließlich  mit zwei  in Dyck ansässigen Lobbericher  Gemeinderäten und anderen dort Eingesessenen abschloß.
Seit Beginn  des 19. Jahrhunderts sind allerdings die ersten Anzeichen einer Verantwortung der Gesamtgemeinde  erkennbar; sie kam spätestens seit 1809 für die Miete des Schulge-bäudes und seit 1818 für einen Teil des Lehrergehaltes auf.
1819 erwarb sie aus Gemeindemitteln ein eigenes Schulhaus samt Lehrerwohnung.
Obwohl die Bezahlung des Dycker Lehrers im 19. Jahrhundert Gegenstand zahlreicher Auseinandersetzungen und oftmals nicht gesichert war, hat sich die Dycker “Nebenschule“ (im Gegensatz zu denen in Sittart und Sassenfeld) bis ins 20. Jahrhundert gehalten.

Weiter heißt es bei Dohms, a.a.O Seite 190:
1816 wurde in den Pfarreien Preußens der “Schulvorstand“ eingerichtet, der sich aus dem Ortspfarrer als Vorsitzenden und zwei oder drei Familienvätern zusammensetzte.Der Schulvorstand führte die örtliche Aufsicht über Schule, Lehrer, Schulbesuch und alles, was mit der Unterrichtung und Erziehung der Jugend zusammenhing. Dem Vorstand in  Lobberich gehörten 1845 der Justizrat und Friedensrichter Theodor Stomps sowie der Ackerer (Bauer) Conrad Thielen aus Dyck an, der gleichzeitig als Schulvorsteher der Dycker Schule fungierte. 

 

Schwierige Zeiten nach dem Zweiten Weltkrieg
(Auszüge aus der Schulchronik)

Als im Herbst 1944 die Invasion näher rückt, wurde in ganz Westdeutschland wegen der ständig zunehmenden Tieffliegerangriffe  und häufigen Fliegeralarms der gesamte Schulbetrieb eingestellt. 1944/45 erfolgte daher weder eine Aufnahme von Schulneulingen noch eine Schulentlassung. Trotzdem wurde in den Sektionen Dyck und Rennekoven unter der Leitung der Lehrer Hennen und Kaumanns Unterricht unregelmäßig teilweise in Bunkern erteilt. Erst im Oktober 1945 wurde der Schulbetrieb wieder aufgenommen.Bevor sich der Schulbetrieb jedoch normalisierte, galt es, enorme Schwierigkeiten zu überwinden.
Lehrer Fritz Meisel (1896- 1963) bis zu seiner Ausweisung  1945 Lehrer und Organist in Köppering, Kreis Neisse, Oberschlesien, schreibt in der Schulchronik:
Im Schulgebäude wohnten außer dem Schulleiter zunächst noch zwei Mietparteien. Dieser Zustand ergab sich zwangsläufig  aus der Wohnungsnot.  Unverständlicherweise wurde durch den Gemeindedirektor Smeets noch zwangsweise eine dritte Familie eingewiesen, trotz allen Widerstandes durch die Sektion Dyck, den Schulleiter und den Schulrat Greven.Es handelte sich um eine asoziale Familie. Räumliche Enge, Beeinträchtigung des Schulbetriebes, bauliche Mängel und eine Kinderzahl von 70 veranlaßten eine Regierungskommission sich an Ort und Stelle zu überzeugen. Sofortige Räumung der drei Mietwohnungen und umfangreiche Instandsetzungsarbeiten mußten durchgeführt werden. Bei  einer anderen Einstellung des Gemeindedirektors der Schule gegenüber hätte die Beschwerde bei der Regierung nicht erhoben zu werden brauchen.

Lehrer Herbert Deininger  (geb. 1933) schreibt in der Chronik u.a.:
Die Schülerzahl pendelt um 80 (Höchststand1965: 84 Kinder). Da die Maßzahl  pro Klasse 40 beträgt, soll eine dritte Klasse gebildet werden. Hierzu ist eine Erweiterung des Schulhauses erforderlich. Lehrer Meisel hatte bereits ca. 1000 qm des Lehrergartens für die Erstellung eines Spielplatzes  abgetreten. Nun sollte rechtwinklig zum Schulhaus ein Trakt in den verbliebenen Garten mit Schulküche und Mehrzweck-Gymnastikraum erstellt werden. (bisher  fahren die Mädchen des 7./ 8. Schuljahres einmal wöchentlich mit dem Fahrrad zum Hauswirtschaftsunterricht nach Lobberich, und bei schlechtem Wetter findet der Sportunterricht im Schulflur statt) ! Für die Baumaßnahme sind im Etat der Stadt Lobberich 150.000 DM veranschlagt.

Dieser schöne Traum ging nicht mehr in Erfüllung; denn durch die Einführung des neunten Schuljahres ergab sich die Bildung  von so genannten  “Mittelpunktschulen“, wodurch die Auflösung der sog. “Zwergschulen“ beschlossen wurde.

In mehreren Elternversammlungen unter Beteiligung von Schulrat Quadfasel, Bürgermeister Nicus, Stadtdirektor Güßgen, Kämmerer Inderbieten, Schulausschußvorsitzender Reulen  und dem Dycker Stadtverordneten Heinz Contzen kämpften die Dycker Eltern mit Unterstützung des Schulleiters um den Erhalt ihrer Schule. Die letzte Versammlung fand in der Gaststätte “Zum Weißen Haus“ statt. Nach der Zusage, die Kinder mit dem Schulbus zu transportieren, fand sich die Elternschaft mit der Auflösung der Dycker Schule zum 30.11.1966  ab.
Nach dem Ende de Dycker Schule bewohnte der Schulleiter Deininger mit seiner Familie weiterhin die Lehrerdienstwohnung, ehe die Lobbericher Firma Rokal 1968 das Schulgebäude anmietete, um Wohnraum für jugoslawische Gastarbeiter zu schaffen.
Danach nutzte das Technische Hilfswerk (THW) die Räumlichkeiten zu Lagerzwecken.
Schließlich kaufte der Künstler Prof. Heinrich Görtz 1984 das Anwesen und nutzt es seither als Wohnung und Atelier.

Tabellarische Übersicht

1750  -  1780

Ackerer ( Bauer) Jakob Leuwers

1790 - ?

Lehrer Heinrich Berten

1850  -  1889

Lehrer Caspar Schmalohr

1895

Bau eines zweikl. Schulhauses mit Lehrerwohnung

1889  -  1933

Hauptlehrer Alois Kuhl und Frl. Jacobi  u. Frl. Fritz und ab 1925 Lehrer Hennen

1933  -  1950

Hauptlehrer Jakob Hennen und Lehrer Kaumanns

1951

Lehrer Josef Kaumanns (einklassig)

1951  -  1952

Lehrer Fritz Meisel  (einklassig)

Apr./Nov.52

Lehrer Meisel und Junglehrer Franz Sandner

1952  -  1955

Lehrer Meisel und Fräulein Christel Spelters

1955  -  1959

Lehrer Meisel ( einklassig)

Apr./Aug.59

Lehrer Meisel und Fräulein Fine Jansen

Aug.59-  1962

Lehrer Meisel und Fräulein Gudrun Scholten später verheiratete Frau Sasse

April 1961

Pensionierung von Lehrer Meisel, Meisel wurde rückwirkend zum Hauptlehrer ernannt

bis April 63

führte Herr Meisel  den Unterricht im vollen Umfang weiter

1962- Apr.63

Hauptlehrer Meisel und Fräulein Erika Oellers

Apr. 63-1964

Lehrer Herbert Deininger und Frl. Erika Oellers später verheiratete Frau Thurow

1964 – 30.11.1966

Lehrer Deininger und Fräulein Gerlinde Bolloff

30.11.1966

Letzter Schultag - Ende der Schule Dyck

01.12.1966

Beginn des zweiten Kurzschuljahres in Lobberich

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Festprogramm                                                                          

17.00          Treffpunkt am "Schänzchen"                                      

17.30          Begrüßung durch Lehrer Herbert Deininger                  

17.45          Diavortag " Dycker Chronik" von Johannes Brunen       

18.30          gemütliches Klengern bis                                           

19.30          Abendessen nach Karte                                            

21.00          Klengern und Antreten zum Tanz bis zum frühen Morgen

 

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